Ab in den Wald
Ab in den Wald

Ab in den Wald

„Ab in den Wald“ ist ein Musical von Stephen Sondheim, das mehrere Märchen miteinander verwebt. Dabei geht Sondheim über das „Happy End“ hinaus und beschäftigt auch mit dem warum wir Märchen haben bzw. erzählen.
Das Musical aus dem Jahr 1987, ist hier vor allem unter dem Originaltitel „Into the woods“ und der entsprechenden Verfilmung aus dem Jahr 2014 bekannt.
In der deutschen Fassung feierte das Musical, am 29. Oktober 2016 am Stadttheater Premiere.

Im ersten Akt wird von einem Erzähler die Geschichte von einer Bäckerfamilie erzählt die auf Grund eines Fluches keine Kinder bekommen können. In diese Handlung werden die Geschichten von Aschenputtel, Rotkäppchen, Hans und die Bohnenranke und Rapunzel eingewoben, indem die beiden Dinge von den einzelnen Protagonisten benötigen um ihren Fluch zu brechen. Die Handlung orientiert sich an den Original Erzählungen, was zum Beispiel für Aschenputtels Stiefschwestern Schmerzen bedeutet und der erste Akt mit dem bekannten „Happy End“ endet.

Nach dem „Happy End“ des ersten Akts, zeigt sich im zweiten das sich zwar die Wünsche erfüllt haben, aber mithin auch wieder neue entstanden sind und sich eine gewisse Unzufriedenheit einstellt. Das auftauchen einer Riesin im Königreich und infolgedessen die Zerstörung des Bäckerhauses, sorgt dafür das die brüchige Friedensfassade endgültig zusammen bricht. Die Prinzen kümmern sich beispielsweise weniger um ihre Frauen oder die Riesin sondern besingen lieber ihr Schmachten nach ihren neuen Lieben Schneewittchen und Dornröschen.
Nach mehreren Todesfällen und einem erneuten Fluch der Hexe gelingt es Hans, Rotkäppchen, Aschenputtel und dem Bäcker die Riesin zu bezwingen.
Mit der Erkenntnis das man aufpassen sollte was man sich wünscht und sich den Konsequenzen stellen und damit leben muss, kommt das Musical zum Ende. Das letzte Lied setzt sich dann mit dem Sinn von Märchen, als Erziehungsmittel für Kinder auseinander.

„Ab in den Wald“ hat das grundlegende Problem, das sich um die deutsche Fassung eines ursprünglich englischen Musicals handelt. Dabei ist die Übersetzung von Michael Kunze gut, allerdings muss sie Text auf eine für eine andere Sprache geschriebene Musik legen. Aufgrund dessen wirkt das Musical an einigen Stellen etwas sperrig, beispielsweise wenn die Prinzen von ihren Liebesqualen singen die im Original simpel von Agony singen.

Die Gießener Inszenierung enthält eine tüchtige Portion Wortwitz, beispielsweise aus Star Wars und Wortspiele wie Rapunzel, bei dem es sich einmal um eine Person handelt, aber auch eine Bezeichnung für Feldsalat darstellt. Generell geizt das Bühnenbild von Lukas Noll nicht an Effekten. Während sich vorne die Bühne dreht, wächst im Hintergrund die Bohnenranke in den Himmel und Requisiten schweben von oben herab. Gerade dieser, durch Projektion, erzeugt Effekt wirkt beeindruckend und sorgt so für ein Fortschreiten der Geschichte ohne von der aktuellen Darstellung auf der Bühne ab zu lenken. Wenn die Hexe daran erinnert das dem Bäcker und seiner Frau die Zeit davon rinnt, wirkt das Bühnenbild wie der Rahmen für „Alice im Wunderland“.
Während die Projektionen auf der einen Seite imposantes aufbauen, gibt es von einigen Requisiten einen Tritt vor das Schienenbein, da immer etwas im Raum schwebt und stellenweise wie ein Fremdkörper wirkt.

Für ein Musical ist natürlich die wichtigste Frage ob die Schauspieler:innen gesanglich überzeugen können.
Ja, das können sie nach einer kurzen Einstiegsphase. Den es wirkt als müssten sie erst kurz richtig warm werden, aber dann legen sie los und bringen die Freude die sie mit ihren Rollen haben sehr gut rüber.

Das sich dies auf auch das Premierenpublikum übertragen hat, merkte man an dem häufigen Szeneapplaus und dem begeistertem Applaus am Ende für die Schauspieler:innen.

Knapp drei Stunden Unterhaltung also, die zeigen das Märchen nicht eingestaubt sind und auch als Musical überzeugen können. Den die knapp 30 Jahre die das Stück schon auf dem Buckel hat ist diesem nicht anzumerken.

Weiter Vorstellungen (jeweils 19:30 Uhr):

  • 11., 27. November; 10. Dezember 2016
  • 8. Januar; 3., 25. Februar; 26. März; 6. Mai; 2., 17. Juni 2017

Wer sich mit dem Musical auf das neue Jahr einstimmen möchte, du den bietet das Stadttheater Gießen, mit einer Vorstellung, an Silvester um 18 Uhr die passende Gelegenheit.
Auf für diejenigen denen immer alles zu spät ist, hat das Stadttheater eine Lösung mit einer Vorstellung um 15 Uhr am 9. April 2017.

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